GÖD-Gesundheitsgewerkschaft: Position zum Thema „Pflegelehre“


An das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz:

Vielen Dank für die Möglichkeit unsere Position zum Thema „Pflegelehre“ darlegen zu können.

Unsere Position ist im Bereich Pflegelehre als dualem Lehrberuf mit Berufsschule in herkömmlicher Form, sofort nach der allgemeinen Schulpflicht unverändert. Es gibt hier eine klare Ablehnung der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft aufgrund der Altershürde und einer im Fachpflegebereich drohenden qualitativen Nivellierung nach unten, sofern daraus ein neuer, vierter Pflegeberuf entstehen soll.

Vorab ist festzuhalten, dass die Novelle zum GuKG aus dem Jahr 2016 erstmals drei verschiedene Pflegeberufe hervorgebracht hat. Mit der Pflegeassistenz, der Pflegefachassistenz und dem gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege hat Österreich auf jeden Fall genügend vor um den Bereich Fachpflege in allen Settings, egal ob intra- oder extramural, abdecken zu können. Schon jetzt kommt es in den verschiedenen Fachbereichen zu Überschneidungen, die sich schwerlich im Skills&Grade Mix darstellen lassen. Besonders an den dienstlichen Tagesrandzeiten und in den Nachtdiensten gibt es schwierige Themenstellungen, jeweils die Kompetenzen und Aufgaben der drei Berufsgruppen adäquat darzustellen.

In diese drei Berufsgruppen führen verschiedene Modelle der Ausbildung. Ich führe hier nicht alle an, weil bekannt. Klar zu bemerken ist, dass die Pflegeassistenz, als alleinige berufliche Erstausbildung im GuKG ausgeschlossen wurde. Dies wurde sozialpartnerschaftlich vereinbart. Der Berufsschutz ist gerade in so fordernden Berufen wie in der Pflege unabdingbar.

Keine Behandlung von Menschen vor dem abgeschlossenen 17. Lebensjahr!

Ebenso wäre es ein völliger Bruch mit den Gegebenheiten in ganz Europa, wenn versucht werden würde, Jugendliche schon mit 15 Jahren in eine praktisch behandelnde Rolle direkt mit alten und/oder kranken Menschen (egal ob als Pflegelehrling oder in einer anderen Form der Betreuung) zu bringen. Hier würde es von unserer Seite größtmöglichen Widerstand, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, geben.

Es wäre spannend zu wissen, in welcher pflegerischen Ebene sich die Absolventen einer Pflegelehre einfinden sollen. Denn nach geltendem Recht könnte dies dann eigentlich nur die Pflegefachassistenz sein, oder es würde noch eine zusätzliche Ausformung der, schon in vielfacher Möglichkeit vorhandenen, Fachsozialbetreuer für Altenarbeit, Behindertenarbeit oder auch Familienarbeit. Die gibt es in zwei- bzw. dreijähriger Schulausbildung bereits.

BHS-Modell beschleunigen!

Die neueste Ausbildungsform für PA und PFA, das BHS/BMS Modell findet in den fünf Pilotstandorten regen Zulauf. Hier können die jungen Menschen nach unserer Ansicht, gut für die Pflege und Gesundheitsberufe abgeholt werden, und genau das Alterssegment, auf das die Pflegelehre abzielt, gut abdecken. Eine schnelle, flächendeckende Ausrollung wäre ein Gebot der Stunde. Damit könnte auch der massive Ruf nach der Jugend, die seitens der Befürworter der Pflegelehre besteht, gestillt werden.

Möglichkeiten für Quereinsteiger*innen und Berufsumsteiger*innen verstärken!

Wir würden Ausbildungsmöglichkeiten für die Pflegeberufe, die in bestehenden Dienstverhältnissen stattfinden könnten, sehr begrüßen. Ob dies dann der Charakter eines typischen dualen Lehrberufs hat, wird sich wohl schon allein aufgrund der vorgegeben Stundenanzahl der theoretischen Ausbildung in der Pflegefachassistenz als schwierig erweisen. Wir könnten uns aber doch vorstellen, dass Menschen in eine betriebliche Ausbildung (nach einem Grundmodul in dem das, für die praktische Ausbildung notwendige Fachwissen vermittelt wird) einsteigen möchten. Allerdings bräuchte es dazu eine besondere Form der praktischen Ausbildung, vor allem, weil wir auch in allen jetzt angebotenen Ausbildungen wissen, dass der größte Anteil am Drop-Out nach einem ersten Praktikum stattfindet. Diese Form der Ausbildung halten wir vor allem für Quereinsteiger/Berufsumsteiger für eine sinnvolle Alternative. Wir wissen, dass vor allem diese Gruppe eher stabil die Ausbildungen beendet und auch zumindest für einige Zeit im Beruf bleibt. Auf diese Gruppe sollte besonders zugegangen werden. Ein Gehalt während der Ausbildung wäre eine der Möglichkeiten zusätzliche Anreize zu schaffen. Ausbildende Betriebe hätten die Möglichkeit, das zukünftige Personal von sich als zukünftigem Dienstgeber zu überzeugen!

Insgesamt halte ich es für spannend, dass es eine Task-Force Pflege geben soll, die in breiter Entscheidungsfindung vieles in diesem Bereich auf gänzlich neue Beine stellt, das Thema „Pflegelehre“ aber gesondert davon verhandelt wird. Eine Abstimmung über die gesamte Pflegeausbildung wird dadurch nicht einfacher.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit unsere derzeitige Meinung darlegen konnte und würde mich freuen, weiter in diesen immens wichtigen Themen mitarbeiten zu können.

Für Rücksprachen stehe ich natürlich jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Waldhör, eh

Vorsitzender

reinhard.waldhoer@goed.at

 


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